Warum ist Umweltschutz wichtig

Warum ist Umweltschutz wichtig?

Für viele Menschen ist die natürlich Umwelt, die sich in ländlichen Gebieten findet, ein Ort der Entspannung, ein Ort für das Wiederaufladen der inneren Batterien oder ein Ort, um die Wildnis zu genießen. Diese Vorstellung der 'Natur' hat sich bereits im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten insofern manifestiert, als 1872 der erste Nationalpark der Welt, der Yellowstone Nationalpark, gegründet wurde. Die Natur wurde somit geschützt, damit der städtische Mensch Entspannung und Erholung findet. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist diese Herangehensweise allerdings durch modernere Sichtweisen ersetzt worden.

Hornbosteler Hutweide - Hutewald © NLWKN


Die Natur zu schützen ist wichtig, weil... 

  • ... sie unser Klima reguliert, unser Wasser reinigt und uns vor Überschwemmungen schützt.
  • ... sie Lebensmittel, Trinkwasser, Holz oder Energie bietet und unsere Wirtschaft stärkt.
  • ... sie grundlegende Prozesse wie den Nährstoffkreislauf oder die Bodenbildung erhält.
  • ... sie Erholung bietet, uns inspiriert und für ganze Gesellschaften spirituellen Wert hat. 



... sie wertvoll ist und uns maßgeblich prägt:

  • Weltanschauungen: Verschiedene Perspektiven prägen, wie Menschen die Natur sehen – vom Nutzen für den Menschen (anthropozentrisch) bis zur Natur als eigenständigem Wert (biozentrisch).
  • Wissenssysteme: Wissen über die Natur und uns Menschen stammt aus Wissenschaft oder traditionellem, lokalem Wissen, das eng mit Kultur und Gebieten verknüpft ist.
  • Grundlegende Werte: Moralische Prinzipien wie Gerechtigkeit oder Harmonie beeinflussen, wie die Natur geschätzt wird.
  • Spezifische Werte: Die Natur bietet Nutzen (z. B. Wasser, Nahrung) und wird oft unabhängig von ihrem Nutzen geschätzt.
  • Wertindikatoren: Zeigen, wie bedeutend die Natur ist – von Artenvielfalt über wirtschaftliche Werte bis zu kultureller Bedeutung.


Die Bedeutung der Natur im Detail

Ökosystemleistungen

Ein wesentlicher Aspekt des Wertes der Natur rührt von ihren Funktionen und Gütern her, welche für den Menschen wertvoll sind, da sie direkt oder indirekt die Lebensqualität des Menschen unterstützen. Diese Leistungen werden als 'Ökosystemleistungen' bezeichnet und dezidierte Wertindikatoren sind. Generell wird zwischen vier Kategorien von Ökosystemleistungen unterschieden:

  1. Regulierungsleistungen – d. h. die Regulation von Ökosystemen und deren Prozessen; hierzu gehören Klimaregulierung, Hochwasser- und Überschwemmungsregulierung oder Wasserreinigung
  2. Bereitstellungsleistungen – d. h. materielle oder energetische Erträge, die direkt aus Ökosystemen gewonnen werden können; hierzu gehören Nahrung, Wasser, Holz oder Brennstoff
  3. Unterstützungsleistungen – d. h. Leistungen, die helfen, andere Ökosystemleistungen aufrechtzuerhalten; hierzu gehören der Nährstoffkreislauf, Bodenbildung oder die Primärproduktion 
  4. Kulturelle Leistungen – d. h. Fälle, in denen Ökosysteme eine wichtige Rolle in Bildung, Erholung oder Naturschutz spielen; hierzu gehören ästhetische, spirituelle, Erholungs- oder Bildungsleistungen.  
Artenzahlen der bekanntesten Insektengruppen in Deutschland, nachgebildet von DStGB 2020.

Beispiel: Insekten

Insekten stellen etwa 70% aller Tierarten weltweit. In Deutschland alleine finden sich über 33.000 Insektenarten und machen somit den Großteil von den etwa 48.000 wildlebenden Tierarten in Deutschland aus. Insekten besiedeln so gut wie alle Lebensräume und sind ein zentraler Bestandteil der biologischen Vielfalt. 

Insekten spielen in den Ökosystemen eine zentrale Rolle und sind auch für den Menschen unverzichtbar. Nicht nur bieten sie eine Nahrungsquelle für eine Vielzahl an Tieren, sie übernehmen auch Aufgaben der Schädlingskontrolle, was der Landwirtschaft nützt. 

Als Bestäuber erhalten sie die Lebensmittelversorgung, da sie den Ertrag zahlreicher Nutzpflanzen, darunter Obst, Gemüse, Raps oder Sonnenblumen, erhalten. Es wird geschätzt, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubung in Deutschland bei 1.6 Milliarden Euro liegt

Bodeninsekten tragen überdies durch Zersetzung organischer Substanzen zur Bodenfruchtbarkeit bei und stellen sicher, dass Nährstoffe für Pflanzen schnell verfügbar werden.

 Insekten sind nicht nur für die Natur, sondern auch für die menschliche Ernährung, Wirtschaft und Umweltstabilität von entscheidender Bedeutung!

Leider erleben Insekten seit einigen Jahren einen dramatischen Rückgang: Fast die Hälfte der Insektenarten in den Roten Listen gilt als gefährdet, extrem selten oder ausgestorben, und die Gesamtzahl der Insekten ist in einigen Fällen um bis zu 80% zurückgegangen. Die Gründe hierfür finden sich im Rückgang oder der Verschlechterung ihrer Lebensräume, dem Mangel an Wildpflanzen und strukturreichen Landschaften, Belastung der Böden und Gewässer mit Pestiziden und Schadstoffen sowie Lichtverschmutzung. Überdies fallen viele Insekten der Nutzung von Pestiziden wie Glyphosat indirekt zum Opfer: Dort, wo Glyphosat oder ähnliche Mittel eingesetzt werden, um auf Äckern, Obstplantagen oder im Weinbau Wild- und Beikräuter zu entfernen, verschwinden essenzielle Nahrungsquellen und Lebensräume für Insekten. Dies hat weitreichende Folgen, da mit dem Rückgang der Insekten auch die Tiere, die von ihnen abhängig sind – insbesondere Vögel und Kleinsäuger in Agrarlandschaften – ihre Nahrungsgrundlage verlieren.

Die Werte der Natur 

Die natürliche Umwelt hat für den Menschen neben Erholung und Entspannung unschätzbare Werte. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) unterscheidet zwischen fünf Ebenen (Typologien), die das Handeln des Menschen prägen und die maßgeblich durch die Natur beeinflusst werden:

  1. Weltanschauungen sind wie verschiedene Sichtweisen, die beeinflussen, wie Menschen die Welt verstehen und mit ihr umgehen. Manche stellen den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt (anthropozentrisch). Andere sehen die Natur als wertvoll, unabhängig davon, welchen Nutzen sie für uns hat (biozentrisch). Wieder andere betonen die Verbindung zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und der Umwelt (plurizentrisch), während eine weitere Sichtweise das harmonische Zusammenleben aller Lebewesen und der Natur betont (kosmozentrisch). Diese Perspektiven bestimmen, wie wir Entscheidungen treffen und mit der Umwelt umgehen.
  2. Wissenssysteme sind dynamische Netzwerke von Wissen, Praktiken und Überzeugungen, die sich auf die Beziehungen zwischen Lebewesen, einschließlich Menschen, untereinander und zur Natur beziehen und in bestimmten Weltanschauungen verwurzelt sind. Wissenschaftliche Wissenssysteme basieren auf explizitem Wissen, das durch formale und allgemeingültige Methoden gewonnen wird. Indigenes und lokales Wissen, einschließlich traditionellen Wissens, ist dagegen sehr vielfältig, eng mit geografischen Gebieten und kultureller Identität verbunden und umfasst verschiedene Wissensformen wie schriftliches, mündliches, visuelles, implizites und praktisches Wissen.
  3. Grundlegende Werte sind allgemeine moralische Leitprinzipien und Lebensziele, wie Freiheit, Gerechtigkeit, Verantwortung, Harmonie mit der Natur, Gesundheit oder Wohlstand. Diese Werte werden von den Weltanschauungen und Überzeugungen der Menschen geprägt. Sie sind oft in den Institutionen einer Gesellschaft verankert – sei es durch informelle soziale Normen oder formelle gesetzliche Regelungen – und bilden die Grundlage dafür, wie Menschen den Wert der Natur wahrnehmen und bewerten.
  4. Spezifische Werte beschreiben, wie wichtig die Natur in bestimmten Situationen ist. Manche sehen ihren Wert in dem, was sie für sie leistet, wie sauberes Wasser oder Nahrung. Andere finden, dass die Natur einen eigenen Wert hat, unabhängig davon, ob sie dem Menschen nützt – etwa Tiere oder Pflanzen, die schützenswert sind, weil sie einfach existieren. Zudem gibt es Werte, die die Beziehung zwischen Mensch und Natur betonen, wie ein Gefühl von Verbundenheit, Spiritualität oder Verantwortung füreinander.
  5. Wertindikatoren zeigen, wie wichtig die Natur für uns Menschen ist. Sie können Dinge messen wie die Zahl der Tier- und Pflanzenarten (biophysisch), den Geldwert von Rohstoffen oder Leistungen der Natur (monetär) oder beschreiben, welche Rolle die Natur in unserem Leben spielt, zum Beispiel für unser Wohlbefinden oder unsere Kultur (soziokulturell).

Die Natur zu schützen bedeutet also, für den Menschen unverzichtbare Lebensgrundlagen zu bewahren. 


Quellen

  • DStGB, Insektenschutz in der Kommune, DStGB Dokumentation No. 155 (DStGB 2020).
  • IPBES, Summary for Policymakers of the IPBES methodological assessment report on the diverse values and valuation of nature (IPBES 2022).
  •  Sara Diana Leonhardt , Nicola Gallai, Lucas Alejandro Garibaldi, Michael Kuhlmann und Alexandra-Maria Klein, 'Economic gain, stability of pollination and bee diversity decrease from southern to northern Europe' (2013) 14 Basic and Applied Ecology 6, 461. 
  • Millenium Ecosystem Assessment, Ecosystems and human well-being (Island Press 2005). 
  • Sebastian Seibold, Martin M. Gossner, Nadja K. Simons, Nico Blüthgen, Jörg Müller, Didem Ambarlı, Christian Ammer, Jürgen Bauhus, Markus Fischer, Jan C. Habel, Karl Eduard Linsenmair, Thomas Nauss, Caterina Penone, Daniel Prati, Peter Schall, Ernst-Detlef Schulze, Juliane Vogt, Stephan Wöllauer und Wolfgang W. Weisser, 'Arthropod decline in grasslands and forests is associated with landscape-level drivers' (2019) Nature 574, 671.